Wichtiges-Woll-Wissen

Wichtiges Woll-Wissen #4 — 

und heute geht's um die Lauflänge!

 

50g Wolle können 90m sein. Oder 200m. Oder sogar 400m.

Klingt verwirrend? Ist es gar nicht — wenn du weißt, worauf du schauen musst!

Das Gewicht auf der Banderole sagt dir kaum etwas darüber, wie viel Garn du wirklich bekommst. 
Entscheidend ist die Lauflänge — also die Meterangabe.

Warum ist die so wichtig?

Für ein Projekt (z. B. einen Pullover) brauche ich eine bestimmte Menge Meter Garn — nicht eine bestimmte Menge Gramm. Zwei Knäuel mit je 50g können völlig unterschiedlich viel Garn enthalten, je nachdem wie dick oder dünn der Faden ist.
 

Als grobe Orientierung:

???? Dünnes Garn (Sockenwolle, Fingering): 350–450m pro 100g

???? Mittelstarkes Garn (DK, Sportweight): 200–300m pro 100g

???? Dickes Garn (Aran, Bulky): 80–150m pro 100g
 

Ein Beispiel aus der Praxis:

Du strickst einen Schal und brauchst laut Anleitung 400m Garn.

Knäuel A hat 50g / 200m → du brauchst 2 Knäuel

Knäuel B hat 50g / 100m → du brauchst 4 Knäuel

 

Gleiche Nadeln, gleiche Nadelstärke auf der Banderole — aber doppelt so viele Knäuel. 
Das macht beim Einkauf einen echten Unterschied!

 

Mein Tipp: 

Immer zuerst die Meter aus der Anleitung notieren und dann schauen, wie viele Knäuel du von deiner Wunschwolle brauchst. So kaufst du weder zu wenig noch zu viel.

 

Bedenke:

Dünnere Nadel und mehr Lauflänge pro 100g - Strickstück wird kleiner !!!

 

Jeden Mittwoch um 19 Uhr gibt es hier neues Woll-Wissen für dich. Schon gefolgt?

Wichtiges Woll-Wissen #3

Welche Ferse für welchen Fuß?

Käppchenferse
Die klassische Ferse. Ein Käppchen wird hin- und hergestrickt, dann werden die Maschen an den Seiten aufgenommen.
Sitzt gut, ist einfach zu stricken — der absolute Klassiker.

Perfekt für: schmale Ferse & hoher Spann.


Herzchenferse
Eine Variante der Käppchenferse mit herzförmigem Abschluss.
Etwas aufwändiger, aber besonders hübsch anzuschauen.

Perfekt für: breite Ferse & hoher Spann


Bumerangferse
Auch "Boomerang" oder "Flap-Ferse" genannt. Wird komplett in Runden gestrickt, kein Wenden nötig.
Sehr beliebt bei Socken von der Spitze gestrickt.

Perfekt für: schmaler Fuß & flacher Spann


Nachtragferse
Eine provisorische Ferse, die nachträglich eingestrickt wird. Praktisch, weil man die Ferse später leicht auswechseln kann wenn sie durchgelaufen ist.

Perfekt für: flacher Spann / ideal für Mustergarne, weil das Muster ungestört weiterlaufen kann.


Zunahmeferse
Meine persönliche Lieblinge! Durch gezielte Zunahmen seitlich und Abnahmen mittig entsteht eine Ferse mit optimaler Passform —
sitzt universell gut und ist dabei überraschend einfach zu stricken.

Perfekt für: breite Ferse & hoher Spann




Jeden Mittwoch um 19:00 Uhr gibt es ein neues Wichtiges Woll-Wissen — immer mit Fakten, die du wirklich nutzen kannst.

 



Wichtiges Woll-Wissen #2

Was bedeutet eigentlich Superwash?


Wer Wolle kauft, stolpert früher oder später über den Begriff "Superwash". Aber was steckt dahinter?
Ich erkläre es dir so, wie ich es selbst verstehe — ohne Marketingsprache, dafür mit echten Fakten.

Warum verfilzt Wolle überhaupt?

Jede Wollfaser ist von winzigen Keratinschuppen umgeben — ähnlich wie Dachziegel, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Wenn du Wolle wäschst, reibt sich Faser an Faser.
Durch Wärme, Feuchtigkeit und Bewegung verhaken sich diese Schuppen ineinander und ziehen sich immer weiter in eine Richtung zusammen.
Das ist der sogenannte "Directional Friction Effect" — und das Ergebnis ist das, was wir alle kennen: das Strickstück hat nach der Wäsche plötzlich Kindergröße.

Was macht das Superwash-Verfahren?

Das Superwash-Verfahren wurde in den späten 1960er Jahren vom International Wool Secretariat entwickelt und kam Anfang der 1970er Jahre auf den Markt.
Das häufigste Verfahren — das sogenannte Chlor-Hercosett-Verfahren — läuft in zwei Schritten ab:

Schritt 1: Die Wollfaser wird mit Chlor behandelt. Das rundet die Spitzen der Keratinschuppen ab und glättet die Faseroberfläche.

Schritt 2: Die Faser wird mit einem Polymer (Hercosett 125) beschichtet, das die verbleibenden Unebenheiten auffüllt und einen gleichmäßigen Film auf der Faser bildet.

Das Ergebnis: Die Schuppen können sich nicht mehr verhaken. Die Wolle verfilzt nicht mehr — und ist damit maschinenwäschetauglich.

Was bedeutet das für die Pflege?

Superwash-Wolle kannst du bei 30–40 °C in der Waschmaschine waschen (die genaue Angabe steht immer auf der Banderole des Garns).
Die Faser nimmt durch die Behandlung etwas mehr Feuchtigkeit auf als unbehandelte Wolle und dehnt sich nass stärker.
Deshalb: immer liegend trocknen, nie hängen.

Wichtig zu wissen: Nicht jede Superwash-Wolle ist trocknergeeignet. Das steht separat auf dem Etikett und gilt nur, wenn es dort ausdrücklich angegeben ist.

Ein weiterer Punkt: Superwash-Wolle neigt etwas stärker zum Pilling als unbehandelte Wolle. Der Grund ist derselbe wie der Vorteil — die Fasern verhaken sich nicht mehr miteinander, weshalb lose Faserenden leichter an der Oberfläche bleiben.

Und was ist mit der Umwelt?

Das ist ein berechtigter Punkt. Bei der Chlorierung entstehen organisch gebundene Chlorverbindungen im Abwasser, die in der EU reguliert sind.
Ältere Polymer-Beschichtungen enthielten zudem PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) — neuere Formulierungen sind laut Herstellerangaben PFAS-frei, der Markt entwickelt sich hier weiter. Es gibt inzwischen auch chlorfreie Alternativen, zum Beispiel Ozon-basierte Verfahren, die als umweltfreundlicher gelten —
sie sind aber noch nicht überall industriell etabliert.

Unbehandelte Wolle ist biologisch abbaubar. Die synthetische Beschichtung bei Superwash-Wolle verlangsamt diesen Prozess, hält ihn aber nicht dauerhaft auf!

Wann macht Superwash Sinn?

Für Socken, Kindersachen und alle Projekte, die häufig gewaschen werden, ist Superwash-Wolle ideal. Mein Trekking-Garn ist aus diesem Grund Superwash — es ist für langlebige, pflegeleichte Socken gemacht.


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Wichtiges Woll-Wissen #1

Warum gleicht kein Strang dem anderen?


Wer handgefärbte Wolle kauft, stellt früher oder später fest: Zwei Stränge derselben Farbe sehen nie exakt gleich aus. Das ist kein Qualitätsmangel — es ist das Wesen von Handarbeit. Aber warum ist das so, und was bedeutet das fürs Stricken?

Die Faser selbst ist ein Naturprodukt

Wolle ist eine tierische Naturfaser. Jede einzelne Faser hat eine raue, schuppenartige Oberfläche, die sogenannte Kutikula. Diese Schuppen sind mikroskopisch klein, aber sie entscheiden darüber, wie Farbstoff in die Faser eindringt. Und weil keine zwei Fasern identisch sind — nicht einmal vom selben Schaf, nicht einmal aus derselben Schur — nimmt jede Faser Farbe ein kleines bisschen anders auf.

Der Färbeprozess ist niemals exakt reproduzierbar

Beim Handfärben wird Wolle in ein Farbbad getaucht, aufgesprüht oder in einem Topf erhitzt. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

- Temperatur: Fasern, die näher an der Hitzequelle liegen, nehmen Farbe intensiver auf.
- pH-Wert: Leichte Schwankungen im Säuregehalt des Bades verändern den Farbton.
- Luftfeuchtigkeit: Ein trockener Tag färbt anders als ein feuchter.
- Zeit: Je länger ein Strang im Bad liegt, desto tiefer zieht die Farbe ein.
- Lage im Topf: Stränge am Rand färben anders als Stränge in der Mitte.

Selbst wenn ich dasselbe Rezept zweimal anwende: Die Farbe wird ähnlich sein, aber niemals identisch. Das gilt für jeden Strang, jede Partie, jeden Färbetag.

Was sind Farbpartien?

Stränge, die im selben Färbebad zur selben Zeit gefärbt wurden, gehören zur selben Farbpartie. Innerhalb einer Partie sind die Stränge so ähnlich wie möglich — aber auch hier gibt es minimale Unterschiede, je nach Position im Bad. Stränge aus verschiedenen Partien können deutlicher voneinander abweichen.

Verschiedene Färbetechniken, verschiedene Effekte

Handgefärbtes Garn gibt es in vielen Stilen, die jeweils unterschiedliche Effekte beim Stricken erzeugen:

- Solid: Gleichmäßig durchgefärbt, ideal für Lace- und Zopfmuster.
- Semi-Solid: Sanfte Tonunterschiede innerhalb einer Farbe, ruhiges Maschenbild.
- Tonal: Eine Farbe in verschiedenen Intensitäten — lebendig und harmonisch zugleich.
- Speckled: Farbsprenkeln auf einer Grundfarbe, fröhliche punktuelle Akzente.
- Variegated / Hand-painted: Mehrere deutlich unterschiedliche Farben, kontrastreich.

Was bedeutet das für dein Strickprojekt?

Gerade bei größeren Projekten wie Pullovern, Tüchern oder Decken solltest du immer genug Stränge aus derselben Farbpartie kaufen. Nachbestellungen können farblich abweichen.

Mein wichtigster Tipp: Stricke mit zwei Strängen im Wechsel. Immer zwei Reihen mit Strang A, dann zwei Reihen mit Strang B. So fließen eventuelle Nuancen sanft ineinander, statt als harte Linie sichtbar zu werden. Das Ergebnis wirkt gleichmäßiger und professioneller — und du holst das Beste aus jedem handgefärbten Unikat heraus.

Unvollkommenheit ist das Ziel

Kleine Unterschiede, minimale Farbschwankungen, ein Strang der etwas lebhafter ist als der andere — das ist kein Fehler. Das ist der Beweis, dass echte Hände diesen Strang gefärbt haben. Jedes Strickstück aus handgefärbter Wolle ist dadurch automatisch ein Unikat.

Strickzeit ist Wohlfühlzeit. ????