Wichtiges-Woll-Wissen
Wichtiges Woll-Wissen #2
Was bedeutet eigentlich Superwash?
Wer Wolle kauft, stolpert früher oder später über den Begriff "Superwash". Aber was steckt dahinter?
Ich erkläre es dir so, wie ich es selbst verstehe — ohne Marketingsprache, dafür mit echten Fakten.
Warum verfilzt Wolle überhaupt?
Jede Wollfaser ist von winzigen Keratinschuppen umgeben — ähnlich wie Dachziegel, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Wenn du Wolle wäschst, reibt sich Faser an Faser.
Durch Wärme, Feuchtigkeit und Bewegung verhaken sich diese Schuppen ineinander und ziehen sich immer weiter in eine Richtung zusammen.
Das ist der sogenannte "Directional Friction Effect" — und das Ergebnis ist das, was wir alle kennen: das Strickstück hat nach der Wäsche plötzlich Kindergröße.
Was macht das Superwash-Verfahren?
Das Superwash-Verfahren wurde in den späten 1960er Jahren vom International Wool Secretariat entwickelt und kam Anfang der 1970er Jahre auf den Markt.
Das häufigste Verfahren — das sogenannte Chlor-Hercosett-Verfahren — läuft in zwei Schritten ab:
Schritt 1: Die Wollfaser wird mit Chlor behandelt. Das rundet die Spitzen der Keratinschuppen ab und glättet die Faseroberfläche.
Schritt 2: Die Faser wird mit einem Polymer (Hercosett 125) beschichtet, das die verbleibenden Unebenheiten auffüllt und einen gleichmäßigen Film auf der Faser bildet.
Das Ergebnis: Die Schuppen können sich nicht mehr verhaken. Die Wolle verfilzt nicht mehr — und ist damit maschinenwäschetauglich.
Was bedeutet das für die Pflege?
Superwash-Wolle kannst du bei 30–40 °C in der Waschmaschine waschen (die genaue Angabe steht immer auf der Banderole des Garns).
Die Faser nimmt durch die Behandlung etwas mehr Feuchtigkeit auf als unbehandelte Wolle und dehnt sich nass stärker.
Deshalb: immer liegend trocknen, nie hängen.
Wichtig zu wissen: Nicht jede Superwash-Wolle ist trocknergeeignet. Das steht separat auf dem Etikett und gilt nur, wenn es dort ausdrücklich angegeben ist.
Ein weiterer Punkt: Superwash-Wolle neigt etwas stärker zum Pilling als unbehandelte Wolle. Der Grund ist derselbe wie der Vorteil — die Fasern verhaken sich nicht mehr miteinander, weshalb lose Faserenden leichter an der Oberfläche bleiben.
Und was ist mit der Umwelt?
Das ist ein berechtigter Punkt. Bei der Chlorierung entstehen organisch gebundene Chlorverbindungen im Abwasser, die in der EU reguliert sind.
Ältere Polymer-Beschichtungen enthielten zudem PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) — neuere Formulierungen sind laut Herstellerangaben PFAS-frei, der Markt entwickelt sich hier weiter. Es gibt inzwischen auch chlorfreie Alternativen, zum Beispiel Ozon-basierte Verfahren, die als umweltfreundlicher gelten —
sie sind aber noch nicht überall industriell etabliert.
Unbehandelte Wolle ist biologisch abbaubar. Die synthetische Beschichtung bei Superwash-Wolle verlangsamt diesen Prozess, hält ihn aber nicht dauerhaft auf!
Wann macht Superwash Sinn?
Für Socken, Kindersachen und alle Projekte, die häufig gewaschen werden, ist Superwash-Wolle ideal. Mein Trekking-Garn ist aus diesem Grund Superwash — es ist für langlebige, pflegeleichte Socken gemacht.
Jeden Mittwoch um 19:00 Uhr gibt es ein neues Wichtiges Woll-Wissen — immer mit Fakten, die du wirklich nutzen kannst.